Bis Jahresende will die EZB ihre Anleihenkäufe beenden. Für Jens Weidmann ein Zeichen, dass die Tage der lockeren Geldpolitik gezählt sind.

Die Europäische Zentralbank (EZB) ist aus Sicht von Bundesbank-Präsident Jens Weidmann auf Kurs in Richtung einer weniger expansiven Geldpolitik. „Nach den jüngsten Beschlüssen ist die geldpolitische Normalisierung absehbar,“ sagte Weidmann im Interview der „Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung“.

Die EZB hatte im Juni wegen des Konjunkturaufschwungs in Aussicht gestellt, ihre billionenschweren Anleihenkäufe bis Jahresende auslaufen zu lassen. Sie waren in den vergangenen drei Jahren ihr wichtigstes Instrument, um die Konjunktur anzukurbeln und die aus ihrer Sicht zu schwache Inflation nach oben zu treiben. Weidmann stand den Käufen stets kritisch gegenüber.

Die von den EZB-Ökonomen für 2020 vorausgesagte Inflationsrate von 1,7 Prozent steht aus Sicht des Bundesbank-Präsidenten im Einklang mit dem mittelfristigen Stabilitätsziel der Euro-Wächter. „Aus diesem Grund ist es auch Zeit, den Expansionsgrad der Geldpolitik zurückzufahren, vor allem wenn man an die Nebenwirkungen der lockeren Geldpolitik denkt.“

Die EZB strebt knapp unter zwei Prozent Inflation als Idealwert für die Wirtschaft an, hat dies in den vergangenen Jahren aber zumeist verfehlt. Im Juli lag die Inflation im Währungsraum bei 2,1 Prozent.

Die Zinsen würden im Zuge der Normalisierung wieder steigen, sagte Weidmann. „Der Prozess wird aus heutiger Sicht graduell sein und eine Weile dauern.“ Die EZB will noch bis mindestens über den Sommer 2019 hinweg an ihren Schlüsselsätzen nicht rütteln.

Wir halten daher an unserem Standpunkt einer langen Zinssicherung fest.