Die Europäische Zentralbank (EZB) steht aus Sicht von Notenbankchef Mario Draghi bereit, bei einer stärkeren Eintrübung der Konjunktur die Zinswende weiter nach hinten zu schieben. Die Notenbank würde dann sicherstellen, dass die Geldpolitik die Wirtschaft unterstütze, indem sie ihren Zinsausblick anpasse, sagte Draghi an diesem Mittwoch auf einer Notenbank-Konferenz in Frankfurt. „Wir sind nicht knapp an Instrumenten, um unser Mandat zu erfüllen.“

Die Notenbank sehe inzwischen eine stärker anhaltende Verschlechterung der Nachfrage nach Waren und Dienstleistungen von außerhalb der Euro-Zone. Die Nachfrage innerhalb des Währungsraumes sei aber weiterhin robust. Eine Abschwächung deute nicht notwendigerweise auf einen ernsthaften Einbruch hin, sagte der Italiener.

Die damit verbundenen anhaltenden Unsicherheiten drückten die Rendite der 10-jährigen Bundesanleihe an diesem Mittwoch tief in den roten Bereich, da Investoren vermehrt zu den als sicher geltenden Anleihen griffen: Sie fiel bis auf minus 0,048 Prozent von zuvor minus 0,014 Prozent und lag damit so niedrig wie seit zweieinhalb Jahren nicht mehr.

Der EZB-Chef kündigte zudem an, dass die Notenbank weiterhin beobachten werde, wie Banken im aktuellen Zinsumfeld gesunde Ertragsbedingungen aufrechterhalten können. „Falls notwendig, müssen wir über mögliche Maßnahmen nachdenken, die die günstigen Auswirkungen negativer Zinssätze für die Wirtschaft aufrechterhalten und zugleich etwaige Nebenwirkungen mildern können“, sagte Draghi. Der EZB-Präsident schränkte aber direkt ein, die geringe Rentabilität der Banken sei keine unvermeidliche Folge negativer Zinssätze. Geldverdienen fällt vielen Banken im aktuellen Niedrigzinsumfeld schwer. Parken die Institute Geld bei der EZB, müssen sie derzeit dafür sogar 0,4 Prozent Strafzinsen zahlen.

Die EZB hatte wegen der jüngsten Konjunktureintrübung die Zinswende bereits vor einigen Wochen nach hinten verschoben. Ihre Leitzinsen will sie jetzt noch bis mindestens zum Jahresende nicht antasten.

Bislang war dies nur bis über den Sommer hinaus geplant. Damit hätte Draghi in seiner achtjährigen Amtszeit, die im Oktober abläuft, kein einziges Mail die Zinsen angehoben.

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