Joe Biden hat mit seiner kürzlich getroffenen Entscheidung, Jerome Powell eine zweite Amtszeit in dem Sessel des Notenbankchef zu belassen, ein deutliches Signal gesetzt. So werden die Pläne von Powell, die bereits begonnene geldpolitische Wende, weiter gestärkt. Die FED hat diese Maßnahme bereits Anfang des Monats begonnen und betreibt die Umsetzung sehr konsequent.

Die EZB ist im Gegenzug mal wieder mehr als einen Schritt langsamer. Im EZB Rat werden frühestens in der Dezembersitzung die Beratungen zu dem Thema Anleihekäufe aufgenommen. Selbst ein Beschluss wird nicht vor Mitte des nächsten Jahres umgesetzt werden können. Paul Mackel, Leiter der Währungsstrategie bei der HSBC sieht die EZB mit einer Normalisierung eher am “Ende der Reagierenden” und geht davon aus, dass der Euro weiter unter Druck geraten wird.

Bis dahin wird von Seiten mehrerer Führungsmitglieder der FED bereits auf ein schnelleres Tempo in Sachen Straffung der Geldpolitik und Zinsentwicklung gedrängt. Rick Meckler, Partner beim Vermögensverwalter Cherry Lane hält es sogar für denkbar, dass die Zinsen in den USA früher als erwartet angepasst werden. Dieser Effekt ist vor allem für das seit Jahren stark unter Druck befindliche Bankensegment positiv, birgt im gleichen Zuge jedoch Risiken gerade für exportorientierte Branchen wie den Technologiesektor.

Allerdings zeigt die Strategie der EZB schon Wirkung. Der Geldmarkt rechnet für 2022 mit keiner Zinserhöhung mehr. Dies brachte die Gemeinschaftswährung auf den niedrigsten Stand seit über
12 Monaten im Vergleich zum Dollar. Eine fällige Reaktion der EZB steht hierzu noch aus.

Wir gehen davon aus, dass sich der Zinsmarkt unter den aktuellen Gegebenheiten seitwärts entwickelt und keine signifikanten Sprünge machen wird. Aufgrund dessen empfehlen wir unseren Kunden sich die Zinsen für einen möglichst langen Zeitraum zu sichern.