Im Dezember sind die Preise in der Euro-Zone um 1,6 Prozent im Vergleich zum Vorjahresmonat gestiegen. Die Teuerungsrate liegt deutlich unter dem Ziel der EZB.

Die EZB dürfte  die Veröffentlichung der Inflationszahlen für den Euro-Raum im Dezember aufmerksam verfolgt haben. Denn das neue Jahr bringt einen Wendepunkt für die Europäische Zentralbank (EZB) und ihren Präsidenten. Seit Jahresbeginn kauft sie keine zusätzlichen Anleihen mehr. Draghi begründet dies damit, dass die Notenbanker mit einer steigenden Inflation rechnen.

Die aktuellen Zahlen des Europäischen Statistikamtes Eurostat wecken allerdings Zweifel, ob diese Hoffnung wirklich eintritt. Vor allem wegen bröckelnder Energiepreise ist die Inflation in der Euro-Zone vor dem Jahreswechsel auf 1,6 Prozent gefallen, wie das Statistikamt am Freitag auf Grundlage einer Schnellschätzung mitteilte.

Im November lag der Wert noch bei 2,0 Prozent. Volkswirte hatten mit 1,8 Prozent gerechnet. Der Ölpreis der Nordseesorte Brent hat in den vergangenen drei Monaten mehr als 30 Prozent an Wert verloren.

Die EZB strebt knapp zwei Prozent als Idealwert für die Konjunktur an. In der langen Phase niedriger Inflation hat die EZB die Leitzinsen auf null Prozent gesenkt und jahrelang Staatsanleihen der Euro-Länder gekauft. Ab diesem Jahr kauft sie aber keine zusätzlichen Papiere mehr, sondern ersetzt nur noch auslaufende Anleihen aus ihrem Bestand.

Kritisch dürfte die Notenbank vor allem die Entwicklung der Kerninflation sehen, bei der die Preise für Energie und unverarbeitete Lebensmittel nicht enthalten sind. Sie lag im Dezember, wie schon im November, bei 1,1 Prozent.

Die EZB achtet stark auf die Kerninflation, weil sie als guter Indikator dafür gilt, ob die Preissteigerung nachhaltig ist. Seit Jahren aber verharrt die Kerninflation bei etwa einem Prozent.

Impulse für die Preisentwicklung erhoffen sich Mario Draghi und seine Kollegen aus dem EZB-Rat vor allem durch höhere Löhne. Zuletzt sind die Tariflöhne in einigen Kernländern der Euro-Zone stärker gestiegen.

2017 lag der Zuwachs im Euro-Raum noch bei 1,5 Prozent – im ersten Quartal 2018 hingegen schon bei 1,7 und im zweiten Quartal bei 2,2 Prozent.

Im Dezember verteuerte sich Energie nur noch um 5,5 Prozent. Im November waren es noch 9,1 Prozent. Auch für verarbeitete Lebensmittel einschließlich Alkohol und Tabak mussten die Verbraucher nicht mehr so tief in die Tasche greifen: Sie verteuerten sich in Dezember um 1,7 Prozent (November: 2,0 Prozent).

Auf der Sitzung Mitte Dezember hatte der EZB-Rat seinen Risikoausblick angepasst. Er geht zwar weiter davon aus, dass Chancen und Risiken für das Wachstum im Euro-Raum weitgehend ausgewogen sind, es aber die Tendenz gibt, dass die Risiken in Zukunft überwiegen könnten.

Eine abrupte Kehrtwende nach Jahren im Anti-Krisen-Modus ist daher nicht zu erwarten: Den Leitzins im Euro-Raum hält die EZB auf dem Rekordtief von null Prozent, Geschäftsbanken bekommen somit Zentralbankgeld weiterhin zum Nulltarif.

Die Wende hin zu höheren Zinsen wollen die Währungshüter frühestens im Herbst 2019 einläuten. Inzwischen gehen aber immer mehr Ökonomen davon aus, dass sie die erste Zinserhöhung möglicherweise erst 2020 vornimmt.

Wir halten daher an unserem Standpunkt einer langen Zinssicherung fest.