Die Märkte der Volksrepublik China gelten im Allgemeinen als sehr stark reguliert. Vielleicht konnten sich in den vergangenen Jahren gigantische Unternehmen im Reich der Mitte entwickeln. Bisher zählte dazu auch der Immobilienriese Evergrande, jedoch werden fast täglich neue Details über das Unternehmen öffentlich.

Nach bisherigen Erkenntnissen drücken den Immobilienkonzern rund 300 Mrd. US-Dollar Schulden. Diese Summe entspricht der Marktkapitalisierung von Samsung bzw. Master Card, beide ihres Zeichens top 20 Unternehmen weltweit. Dementsprechend sind die Aktien in den vergangenen Tagen um über 80 % im Wert gefallen und sind aktuell nahe dem Allzeittief.

Die Frage, die nun in allen Märkten kursiert, was unterscheidet jetzt Evergrande zu Lehmann und gibt es eine zweite Immobilienkrise?  Evergrande ist im Vergleich zu den Lehman Brothers in viel mehr Bereichen aktiv und somit vielen anderen Markteinflüssen ausgesetzt. So gehören zu dem Unternehmenskonglomerat Fußballklubs, Babyprodukte, E-Auto Hersteller, Gesundheitsprodukte, Einkaufszentren, Getränkehersteller und noch vieles mehr. Da jedoch die Corona Krise vielen dieser Branchen hart zugesetzt hat, wurden bei Evergrande ehemals ertragsreiche Teilbereiche zu hohen Verlustbringern. Die Stützung dieser wurde vor allem mit Schulden auf dem Kerngeschäft kompensiert. Diese Schuldenlast drückt nun das Konzernergebnis.

Sollte jetzt die Insolvenz folgen, wäre als erstes die Gläubigersituation zu klären. Primär sind hier Chinesische Staatsbanken in die Finanzierung eingebunden. Somit hat allein die Größe des Unternehmens und die entstandene Schuldenlast eine direkte Auswirkung auf den seit langer Zeit überhitzten Immobilienstandort und das chinesische Bankensystem.

Was kann das für den weltweiten Immobilienmarkt und die Zinsen bedeuten? Auch chinesische Banken bedienen sich am Kapitalmarkt. Die Struktur ist jedoch auf Grund der restriktiven Informationspolitik nicht so deutlich. Damit kann die eine oder andere ausländische Bank auch indirekt ein Geldgeber sein. Jedoch werden sich die Wogen außerhalb Chinas kaum merklich entwickeln.

Anders ist es für den Immobilienmarkt in China. Erste Stimmen werden schon laut, die der chinesischen Regierung vorwerfen, dieses Szenario billigend in Kauf genommen zu haben, um dann auch weitere Regulierungen auf dem Immobilienmarkt durch zu setzten. Schon jetzt gelten harte Beschränkungen wie max. eine Zweitwohnung, Einschränkung des Verkaufs von Bauland und eine harte Mietpreisbremse. Diese Themen werden auch sicher bei einem Crash von Evergrande nochmal in Augenschein genommen.

Für unseren Markt und die Zinsen gehen wir von keiner Veränderung aus. Trotz der hohen Inflation bleiben die Zinsen nahezu auf dem jetzigen Niveau.